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Von den Bäumen lernen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Die Natur ist eine Sprache und jede neue Tatsache,
die wir über sie lernen, ist ein neues Wort.
Es handelt sich nicht um eine Sprache,
die sich in Stücke zerlegen lässt und tot in einem Wörterbuch steht,
sondern um eine Sprache, die sich zu einem universellen Sinn
von höchster Bedeutung zusammensetzt.
Ich wünsche mir, diese Sprache zu verstehen,
und zwar nicht so, dass ich dann eine neue Grammatik kenne,
sondern so, dass ich in dem großen Buch lesen kann,
das in dieser Sprache geschrieben ist.“

Ralph Waldo Emerson

 

 

Bäume, was werden wir Menschen von euch noch lernen?

Autor: Ing. Dr. Erwin Thoma, Förster und Unternehmer von Holz100

Hinweis: Weiter unten zeigt Thoma in einem spannenden Vortrag auf, wie ähnlich wir Menschen den Bäumen sind. Dies gilt sowohl für das Individuum als auch für die Gemeinschaft. Thoma erläutert, welche Lebensprinzipien der Bäume auch unserem Zusammenleben zugrunde liegen. Im Eingehen darauf könnten möglicherweise die vielfältigen Probleme der Menschheit gelöst werden..

 

„Ihr Bäume im hundertfach verschiedenen Kleid, ..

… vom Gletscherrand am höchsten Berg bis zur wüstenfreien Steppe, ihr habt uns stets begleitet und beschützt. Ihr könnt uns heiter berauschen, vergiften und erschlagen. Ihr wärmt uns, ihr gebt uns das kostbarste Überlebensmaterial – euer Holz. Ihr habe uns Menschen mit hölzernen Flotten die Weltmeere überqueren und die ersten Fluggeräte bauen lassen. Die einzigartigen Klänge der Meistergeigen, den tiefsten Schlaf in eurer harzigen Geborgenheit verdanken wir euch allein. Was könnt ihr noch alles? Wer steckt da noch in euch, ihr Bäume?

Was lebt ihr offen und verborgen, was ist es für ein Leben, das ihr lebt? Wer treibt euch an. Von woher kommt eure unverwüstliche Lebenskraft, die jede Minute zur besten eures Daseins macht?

Bäume, was werden wir Menschen von euch noch lernen?

Zu allen Zeiten haben Menschen euch mit Göttern in Verbindung gebracht. Für Heil und Unheil haben wir euch verantwortlich gemacht. Unter euch haben wir gerichtet, geräuchert, geopfert, gebetet und bitter geweint, gebechert und gezecht, gefeiert und geheiratet, sind geboren worden und gestorben.

Ihr aber habt stets unbekümmert um all das jeden Augenblick zum einzig wichtigen eurer Existenz gemacht. Ihr habt – und da sind wir uns endlich gleich – Versuch an Versuch gereiht, seid aus dem winzigen Samenkorn entsprungen und wollt eurer Bestimmung folgen. Wir sind so sehr an euch gebunden. Ihr Bäume ward es ja, die über Hunderte von Jahrmillionen das Kohlendioxid der Atmosphäre durch verschüttete und überflutete Wälder als Kohle und Erdöllager in die Erde eingelagert habt. Erst dadurch ist das Weltenklima so mild geworden, dass Säugetiere und später Menschen auf Mutter Erde erscheinen konnten. Ihr Bäume habt unseren Weg bereitet.

[„Wer sich mit Fichtenholz umgibt,
ist weniger wetterfühlig,
schläft besser und stärkt so Herz und Gesundheit.“]

In unserer Achtlosigkeit habe wir Menschen uns von den gespeicherten fossilen Energien, von Öl- und Gasverbrennung, von Kohlekraftwerken abhängig gemacht. Dieses Problem der Klimaerwärmung können wir nur mit eurer Hilfe lösen. Zu schnell haben wir das von euch eingelagerte Kohlendioxid durch Verbrennung wieder in die Luft geblasen. Jetzt können wir nur reparieren, indem wir euer Holz ernten und in unsere Häuser und überall, wo es möglich ist, verbleibend verbauen. Nur so wird wieder CO2 aus der Luft herausgenommen und dauerhaft eingelagert. Die Bauwirtschaft weitgehend auf Holzbau umzustellen ist eine der ganz wenigen, unumstrittenen Möglichkeiten, die wir Menschen noch haben, um den Schaden durch die unmäßige Verbrennung von Erdöl, Kohle und Gas wenigstens teilweise wieder rückgängig zu machen. Außerdem wird für die Erzeugung eures kostbaren Rohstoffes keine Produktionsenergie außer dem Sonnenlicht verbraucht, endlich kein Öl mehr verbrannt, kein Müll mehr hinterlassen. Holz wächst ja allein durch Sonnenenergie, und Holz kann jederzeit wieder in die Natur zurückkehren.

[„Kinder in einem Klassenzimmer aus Vollholz
werden im Lauf des Schuljahres immer entspannter,
jene in der herkömmlichen Klasse dagegen immer gestresster.“]

Bäume, durch eure perfekte Kreislaufwirtschaft im Wald gebt ihr uns das Bild, die fertig entwickelte Anleitung für ein Leben mit den Strömen der Natur. Ein Leben ohne Kampf und Zerstörung der Harmonien von Mutter Erde. Mit eurem Vorbild kann unsere Arbeit, unser Nehmen und Geben, wieder zum Teil des großen Naturkreislaufs werden.

Ihr Bäume lebt uns Menschen täglich vor, wie Wettbewerb und Egoismus in Grenzen gehalten werden. Wettbewerb, bei dem die Bäume nicht in den Himmel wachsen, bei dem ein Einziger nicht auf die Idee kommen kann, die ganze Welt zu beherrschen, das ist eine gesunde Kraft zur Stärkung eures ganzen Waldes.

[„Das Holz und die Frucht des Weißdornbaumes
senken den Blutdruck und verbessern
die Sauerstoffversorgung der Herzkranzgefäße.“]

In einer Zeit, in der wir Menschen die Globalisierung leben, Konzerne mächtiger sind als ganze Nationalstaaten, die Finanzwirtschaft sich wichtiger wähnt als alles reale Arbeiten und Wirtschaften, in dieser Zeit, ihr Bäume, wird eure Anleitung zur Selbstbeschränkung, euer Gebot, „nicht in den Himmel zu wachsen“, zur wichtigen Wirtschaftstheorie, die hoffentlich bald den Eingang auch in unsere Universitäten findet.

Vorurteilslos jede Kreativität zulassen, Wettbewerb, ja – aber in gesunden Grenzen, und schlussendlich die Kreislaufwirtschaft: Alles, was ihr der Natur entnehmt, wird unvergiftet oftmals wiederverwendet und am Ende zurückgegeben. Auf diesen Wegen werden wir die Heilung und Gesundung von Mutter Erde, dem großen, alles verwebenden Organismus, lernen.

[„Rotbuche wird die Mutter des Waldes genannt,
weil ihr Laub der wichtigste Humusbildner ist.“]

Ihr Bäume, Könnt ihr uns auch dann begleiten, wenn es um unsere eigene Heilung und Gesundung geht? Ist es möglich, durch euch ganz einfach und direkt zum altbewährten Wissen der Natur zu gelangen, um mit einer schweren Erkrankung besser zurechtzukommen oder, nicht weniger wichtig, einfach nur, um gesund zu bleiben? Eine robuste Gesundheit, unverwüstlich wie die Lärche, die den Sturm am Bergrücken übersteht, wünschen wir uns. Könnt ihr uns dabei helfen, diesen Schatz zu finden?

Ja, die Bäume können es.“

[„Fichten-, Ahorn-, Buchen- und Pappelholz
sind hygienischer als Plastik und Fliesenfugen.
Kiefer-, Lärchen- und Eichenholz wirken zudem antibakteriell.“]

 

In seinem großartigen Buch „Die sanfte Medizin der Bäume„, aus dem dieser Beitrag stammt, beschreibt Erwin Thoma mit seinem Mitautor, dem Medizinwissenschaftler Prof. Maximilian Moser, wie die Bäume zur Gesundung der Menschen beitragen können  – wenn der Mensch deren Hilfe annimmt..!

 

 

Weitere Beiträge, Vorträge und Interviews von und über Erwin Thoma:

> Häuser wie der Baum, Städte wie der Wald
> Kapieren – kopieren – kooperieren
> Die geheime Sprache der Bäume
>

 

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Bildquelle:

Wacholderbaum: ojkumena -pixabay.com

 

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